Doppelstadtkultur - Kultur in und aus Frankfurt (Oder) & Słubice

P. Banause

+++ Das erste Interview mit P. Banause +++

Für die einen ist es Vandalismus, für die anderen ist es Kunst. Und was ist es für Dich?
Sprühen, Malen, Kleistern – das sind die Dinge für die man P. Banause kennt. Ein Künstler den man in letzter Zeit in unserer Doppelstadt Frankfurt (Oder) / Słubice immer öfter zu Gesicht bekommt. Zwar nicht ihn persönlich, aber seine Werke, die man an vielen Ecken der Stadt erblicken kann. P. Banause hat mich zu sich eingeladen um mit ihm bei Spekulatius, Glühwein und Farcry 3 über seine Kunst zu sprechen. Ein Künstler, der sich und seine Kunst nicht so ernst nimmt.

 

P. Banause – was hat Dein Pseudonym für eine Bedeutung?

Ich glaube das erklärt sich von selber. Banause ist ja jemand der von Kunst und Kultur keine Ahnung hat und der bin ich halt.

Und das P.?

Das ist mein Vorname. Der erste Buchstabe davon.

Du willst anonym bleiben, nehme ich an?

Ja.

Wieso?

Es ist ganz angenehm, wenn einen nicht alle Leute kennen. Außerdem ist ja einiges was ich mache am Rande der Legalität.

Und das stört Dich nicht?

Ne. Das hat ja gerade so seinen Reiz (fröhlich Spekulatius mampfend).

Was hältst Du davon, dass es manche Menschen, besonders in Frankfurt, als störend empfinden?

Damit muss ich leben, damit müssen auch die Leute leben. Das hört sich jetzt zwar so an als wäre ich ein „krasser Kämpfer“, aber ich werde trotzdem weiter machen. Aber ruhig, ne? Ich gehe ja eigentlich keiner Sau auf den Sack. Ich bemale ja keine Einfamilienhäuser oder irgendwelche Jagdhütten oder so. Sondern nur Sachen bei denen ich der Meinung bin, dass es keinen stört.

Und wie findest Du es gerade hier Kunst zu machen? Warum gerade hier in Frankfurt / Słubice?

Eigentlich komme ich ja aus Berlin bzw. Randberlin. Die Berliner werden da immer sauer wenn man sagt man kommt aus Berlin und wohnt nur am Rand. Hier bin ich wegen des Studiums und ich finde es super angenehm, weil die Stadt relativ klein ist und hier noch nicht so viel los ist wie in Berlin, denn wenn man dort seine 10 Bilder malt, nimmt einen trotzdem noch keine Sau wahr. Und hier ist man dann schon ´ne ganz große Nummer (lacht).

Wie sind bisher die Reaktionen gewesen, die Du mitbekommen hast?

Gespalten. Klar, die Freunde finden es toll und schön. Ab und zu wenn ich etwas kleistere, ist es am nächsten Tag gleich wieder abgerissen. Das finde ich dann natürlich etwas schade. Hmm, ich glaube es ist wirklich gespalten. Ich glaube aber auch mir würde jetzt keiner direkt deswegen auf die Fresse hauen, also ich hoffe es (lacht). (Überlegt) Aber insgesamt vielleicht doch eher positiv. Ist ja trotzdem eher ´ne Bereicherung als nur Vandalismus.

Du kopierst Deine Werke und kleisterst sie an Objekte, aber stellst auch Unikate her und packst diese in die Stadt. D.h. wenn die jemand zerstört, war die ganze Arbeit umsonst. Ist das Risiko nicht zu groß?

Die größeren Sachen kann man ja schlecht kopieren und drucken, also packe ich diese direkt auf Papier und kleistere das Teil dann irgendwo hin. Klar ist das ein Risiko, naja was heißt eigentlich Risiko, ich bin mir dessen bewusst, dass es dort nicht für immer hängen wird. Ich flitze am nächsten Morgen ganz früh hin und mach´ ein Foto und dann bin ich auch glücklich. Und dann reicht mir das auch.

Und wie wählst Du die Orte aus? Nach welchen Kriterien?

Unterschiedlich. Erstmal muss es geeignet sein von der Größe her, dass das Bild hinpasst, der Untergrund muss passen. Ich habe schon verschiedene Untergründe ausprobiert. Holz, Steinmauern und alles Mögliche. Am besten ist es aber immer noch auf grundierten Fassaden, noch besser natürlich wenn es dann noch wettergeschützt ist und wenn es noch viele Leute sehen können. Bei den Kriterien bleibt da nicht mehr viel übrig.

Und wo außer in Frankfurt / Słubice hast Du sonst noch Deine Kunst verbreitet? An welchen Orten?

Hmm, also ich komme eigentlich aus der Sprüherszene, war ´ne ganze Weile nur mit Graffiti am Werkeln und da haben wir dann größtenteils in Randberlin unser Treiben gehabt. Für mich ist es immer ein geiles Souvenir wenn ich irgendwo im Urlaub bin und da noch was malen kann.

Zum Beispiel? Wo hast Du schon Deine Signatur hinterlassen?

Bisher immer wenn ich im Urlaub war, zum Beispiel in Australien, Indonesien, Thailand, Schweden, Tschechien … Dresden, auch ganz toll, toller Urlaub. Überall wo es mich hintreibt.

In Słubice hast Du auch was gemalt und sogar direkt in die Mitte der Oder, also auf der Grenze. Was hatte das Ding in der Mitte zu bedeuten?

Da ging es mir darum einfach mal zu gucken, wenn dann die Polizei kommt, wer mich dann festnimmt, die deutsche oder die polnische. Nee, Quatsch. Naja da ist ja die gut bekannte Brücke auf der man nach Polen geht irgendwann nachts um 02.00 oder 03.00 Uhr wenn auf der Homeparty der ganze Alkohol leer ist und dann dachte ich …., naja wäre doch eigentlich geil, wenn man das irgendwie da unten niederschreibt. Und besonders vielleicht auch auf welchem Level man gerade ist. Deswegen die verschiedenen Bierstufen und Fröhlichkeitsgrade.

Die Słubicer Seite der Brücke hast Du auch besprüht oder?

Ja, aber nur mit was kleinem Unscheinbarem.

Auf Deinen Motiven sind oft Personen abgebildet, wer ist das?

Es sind eigentlich immer Personen, die ich nicht persönlich kenne, sondern zum Beispiel irgendwelche Instagram-Mädchen oder so. Mir geht es nur darum Positionen oder Ansichten aufzuzeigen, die ich ganz interessant finde. Meistens ist ja noch ein kleiner Text daneben. Das sind kleine Charakteristiken, wie ich mir die Person vorstelle.

Seit wann sprühst Du und wie lange machst Du schon das aktuelle Format, wie nennt es sich eigentlich?

Ich weiß noch ganz genau, die ersten saftigen Toybilder [Toy =  Abfällige, spottende Bezeichnung für einen ungeübten Sprüher bzw. Writer], die ich mit meinen Freunden gemacht habe, war 2008. Das war eine sehr schöne und aktive Zeit, zwar waren die Bilder nicht wirklich ästhetisch, aber das war damals nicht schlimm. Das hat sich auch ´ne ganze Weile so hingezogen. Ich glaube bis 2014 oder 2015 bin ich eigentlich nur bei Schriftzügen geblieben und habe nichts anderes gemacht. Irgendwann wollte ich dann doch paar andere Sachen ausprobieren und habe dann zum Beispiel auch Gesichter in die Schriften mit eingebunden. Da habe ich gemerkt, dass mir das mehr Freiraum gibt und, dass ich in diese Richtung mehr arbeiten will. Nach wie vor gehe ich aber ab und zu auch mal wieder sprühen. Tja und was mache ich jetzt für ein Format? Malen nach Lust und Laune würde ich es nennen.

Auch auf Leinwand? Wie machst Du eigentlich diese Kleisterbilder?

Die Kleisterbilder sind immer auf Papier. Vom Asiaten habe ich mir so eine Papiertischdecke geholt. Die kann man ausrollen, dann ist sie 50m lang. Man muss ja auch gucken wo das Geld bleibt, ne? Das war super billig, ist auch super dünnes Papier aber dafür auch klasse zum „Rankleistern“. Geht schnell ran, hält gut, trocknet schnell. Leinwände bemale ich auch gerne, aber die sind dann ein bisschen zeitintensiver.

Welche Farben nutzt Du für die Tischdecke?

Acryl. Für eigentlich alles Acryl.

Und Du hattest jetzt auch Deine ersten festen und legalen Ausstellungen. Einmal bei Unithea während des WIR-Festivals 2017 und dann wurdest Du direkt danach vom Kleist Forum eingeladen, um beim Tag der offenen Tür auszustellen. Wie war das für Dich und wie kam es dazu?

Tatsächlich hängt die Ausstellung im Kleist Forum immer noch, übrigens bis Dezember, und das ist natürlich super für mich. Es ist natürlich super wenn man etwas machen kann was dann auch nicht gleich am nächsten Tag abgerissen wird (lacht). Das ist natürlich schön. Das waren meine ersten Ausstellungen gewesen. Wie kam ich dazu? Naaa, ähm durch den Philip (lacht) [das bin ich hihi].

Der hat Dich eingeladen?

Ich hab mal vor zwei Jahren in seinem Seminar an der Uni mitgemacht und so haben wir uns kennengelernt und sind bis heute im Kontakt. Jemand aus dem Kleist Forum hat mir dann während der Unithea Ausstellung von dem Tag der offenen Tür erzählt und mir angeboten dort vielleicht ausstellen zu können.

Du hast gerade von Rapper Don Belmondo das Album-Cover gezeichnet. Wie kam das denn zustande, wie habt ihr Euch kennengelernt?

Wahrscheinlich besoffen in der WG Bar oder vielleicht auch beim Unithea Festival, ich weiß es nicht mehr. Es ist ja immer so, Künstler unterstützen sich gegenseitig. Der Belmondo hat ein neues Album gemacht und nett gefragt, ob ich ihm was malen will, denn er wollte etwas Handgemaltes haben für das Cover. Da haben wir uns mal hingesetzt und sein Album angehört. Dann ging´s los, dann sprießten die Ideen bei seinen ganzen Wortspielereien.

Du hast Dich aber auch mit anderen Künstlern zusammengetan, zum Beispiel mit Spoare, wie kam das zustande und hast Du sonst noch Connections zu Künstlern aus Frankfurt?

Ich war mal am Kleist Park malen und da kam der Spoare mal vorbei. In Frankfurt gibt es jetzt nicht sooo viele Sprayer, deswegen geht er mal ganz gerne hin und quatscht und fragt wo man herkommt, was man macht usw. Dann kam er irgendwann an und wir haben gequatscht. Er hat erzählt wer er ist und was er macht, naja was er macht weiß jeder, ihn sieht man überall. Dann hat es sich auch mal ergeben, dass wir zusammen was gemalt haben. Und sonst mit anderen Künstlern, hm, ne eigentlich habe ich hier nicht so viele Kontakte muss ich sagen. Ich bin dann eher alleine unterwegs.

Was ist Deine Motivation, wieso machst Du das alles?

Ich hab´ noch sehr viel Zeit neben des Studiums und Hobbies sind ja eher rar in der heutigen Zeit, deswegen habe ich einfach mal gedacht ich fange mal an zu malen.

Du gehst ja leider bald weg aus Frankfurt, was wird Dein Abschiedsgeschenk sein? Wie wird Dein Finale aussehen?

Großes Geheimnis, aber man wird es sehen.

 

 

Das Geheimnis ist gelüftet, der große P. Banause hat sein Meisterwerk vollendet 😀 seht selbst…

 

 

Wer weiß wo sich das Bild befindet?